31.07.2015 / komba gewerkschaft/komba gewerkschaft nrw

Gesundheitswesen: Patientenwohl rückt in Ferne

Bild: © Gina Sanders / fotolia.com
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Sowohl in der Kranken- als auch in der Altenpflege steht das Gesundheitswesen schon lange vor großen Problemen. Aufgrund des Älterwerdens der Gesellschaft nimmt die Krankenhaus- und Pflegewahrscheinlichkeit in den kommenden Jahren stetig zu. Damit steigt auch der Druck auf die Beschäftigten, die Personalsituation verschärft sich immer weiter. Letztlich sind die Beschäftigten und die Patienten die Leidtragenden. Die komba gewerkschaft nrw sagt STOPP - es reicht!

Mit der Aktion „STOPP – es reicht!“ fordert die komba gewerkschaft die Beschäftigten auf, ihre individuellen  Probleme und ihre Lage - auch anhand von praktischen Beispielen - zu schildern. Ziel ist es, der Politik diese Probleme klar vor Augen zu führen und einen deutlichen Auftrag mit auf den Weg zu geben, sich dieser Probleme endlich anzunehmen. Zahlreiche Gesundheits- und KrankenpflegerInnen sowie AltenpflegerInnen sind dem Aufruf bislang gefolgt und haben von ihren Erfahrungen sowie Herausforderungen im Berufsalltag erzählt.

Stimmen der Beschäftigten
Ein erstes Zwischenfazit: Immer mehr Dokumentation, sehr viel Organisationsarbeit, anhaltender Personalabbau und erheblich zu wenig Zeit für die Patienten – alles altbekannte Probleme und eine Zumutung für die Beschäftigten. Ein Krankenpfleger bringt es auf den Punkt: „Arbeitsverdichtung und zugleich Personalabbau – das passt doch nicht zusammen!“ Auch in der Altenpflege berichten die Beschäftigten von ähnlichen Herausforderungen. „Immer mehr Aufgaben für immer weniger Personal. 28 Bewohnerinnen und Bewohner, davon alleine 13 mit Pflegestufe 3 und lediglich drei Pflegekräfte pro Schicht. Qualität und Quantität sind da im Ungleichgewicht. Das ist keine adäquate Pflege mehr, sondern Massenabfertigung“, schreibt eine Altenpflegerin aus Nordrhein-Westfalen.
 
Auch die Ausbildung junger Menschen muss leiden: „Ich habe keine Zeit zur richtigen Anleitung von Schülern, unserem Nachwuchs, der eigentlich enorm gefördert werden muss“, berichtet eine Stationsleitung. Gerade vor dem Hintergrund, dass immer weniger junge Menschen den Beruf des Gesundheits-  und Krankenpflegers wählen oder sich nach der Ausbildung wieder umorientieren, muss sich dringend etwas ändern. Denn die Gesellschaft wird immer älter, doch wer ist da und pflegt die Menschen? Attraktivere Arbeitsbedingungen müssen den Nachwuchskräften künftig wirkliche Perspektiven bieten und sie für den Beruf begeistern. 
 
Eine andere Kollegin erzählt, dass sie aufgrund der hohen Zahl an Pflegebedürftigen in ihrer Einrichtung lediglich die Grundpflege betreiben kann. Dazu zählen beispielsweise: waschen, kämmen, rasieren, ankleiden sowie das Verabreichen von Medikamenten. Die Überlegung, ob noch Zeit bleibt darüber hinaus regelmäßig Getränke anzureichen oder doch zur Infusion gegriffen wird, ist Realität im angespannten Arbeitsalltag. Der Stapel mit Überlastungsanzeigen wächst und wächst.
 
Um die Bewohnerinnen und Bewohner dennoch entsprechend zu versorgen, bleiben Pflegekräfte – ohne Bezahlung – oftmals sogar länger oder verzichten auf ihre Pause. Denn alle, ob Krankenhaus- oder Pflegeheimbeschäftigte, haben gemeinsam, dass sie sich in hohem Maße für das Wohl der ihnen anvertrauten Menschen verantwortlich fühlen.

Angespannte Situation im Gesundheitswesen 
Die geschilderten Probleme werden sich künftig noch verschärfen: Bis 2030 steigt allein die Zahl der Pflegebedürftigen bundesweit um rund 50 Prozent auf 3,4 Millionen, während die Anzahl der Pflegekräfte rückläufig ist. Nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung (Pflegereport 2030) werden in 15 Jahren fast 500.000 Vollzeitbeschäftigte in diesem Bereich fehlen.

Aber muss es soweit kommen? Die Liste der Schwierigkeiten ist lang. Die politischen Ebenen wissen um den maroden Zustand des Gesundheitssystems. Passiert ist bislang viel zu wenig. Im Gegenteil: Die Politik arbeitet weiter gegen die Interessen der Beschäftigten! Seit Jahren weist die komba gewerkschaft nrw auf die schlechten Bedingungen im Gesundheitswesen hin und wirbt dafür, nur gemeinsam und in Solidarität mit den Beschäftigten, tatsächliche Veränderungen zu erzielen.
 
Durch das Krankenhausfinanzierungsgesetz und weitere Maßnahmen, die eine Kostendeckelung der Einrichtungen mit sich brachten, ist es noch einmal zu einer deutlichen Arbeitsverdichtung gekommen; die Zeit bei der Patientenversorgung fehlt.
 
Darüber hinaus bringt auch das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) neue Probleme mit sich, ohne die alten zu lösen. Wie schon in 2008 sprechen derzeit wieder einmal Arbeitgeber, Gewerkschaften, Verbände und Beschäftigte mit einer Stimme gegen die Politik und verurteilen die Richtung, die das KHSG einschlägt.  Die chronische Unterfinanzierung ist das Kernproblem. Hier muss laut komba gewerkschaft dringend angesetzt werden, damit in einem nächsten Schritt grundlegende Themen wie beispielsweise eine gesetzliche Personalbemessung in Angriff genommen werden können. „Die täglichen Probleme der Beschäftigten im Gesundheitssystem lassen sich überwiegend auf den Personalmangel zurückführen. Der ist aber wiederum eine logische Folge eines „kranken“ Finanzierungssystems. Ohne Änderung des Systems dreht man sich weiter im Kreis – die Verlierer dabei sind die Beschäftigten und die Patienten. Unser Appell an die Politik lautet daher: Handelt endlich“, sagt Andreas Hemsing, stellvertretender Landesvorsitzender der komba gewerkschaft nrw.
 
Sagen auch Sie STOPP und beteiligen sich an der Aktion der komba gewerkschaft!


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