15.07.2015 / komba gewerkschaft nrw

24-Stunden-KiTa stößt auf Ablehnung

Marieluise Baumeister, Vorsitzende des Fachbereichs Erziehung und Leiterin einer KiTa (Foto: © privat)
Marieluise Baumeister, Vorsitzende des Fachbereichs Erziehung und Leiterin einer KiTa (Foto: © privat)

Der Fachbereich Erziehung der komba gewerkschaft nrw nimmt Stellung zu den Plänen von Familienministerin Schwesig, Kindertagesstätten künftig 24 Stunden zu öffnen.

Seit vergangener Woche ist die 24-Stunden-KiTa vermehrt in den Medien. Das Modell stammt aus dem Bundesfamilienministerium von Manuela Schwesig. Demnach sollen die Kinder zwar nicht länger als sonst, aber zu jeder Zeit, die KiTa besuchen können – beispielsweise dann, wenn die Eltern im Schichtdienst arbeiten. In seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag setzte sich der komba nrw Fachbereich Erziehung kritisch mit dem Thema auseinander. Fazit: Die Initiative stößt auf Widerstand der Erzieherinnen und Erzieher. Die Gründe dafür sind vielfältig.

„Kinder brauchen Rituale, einen festen Rhythmus und Verlässlichkeit. Ein zu viel an Flexibilität überfordert sie. Besonders in der Nacht“, sagt Marieluise Baumeister, Vorsitzende des Fachbereichs Erziehung und Leiterin einer KiTa. Sie und ihre Fachbereichskolleginnen und -kollegen glauben, dass die Bedürfnisse der Kinder beim vorgeschlagenen Modell nicht im Fokus stehen, sondern vielmehr die Interessen der Arbeitgeber. Der Fachbereich spricht sich zwar klar für flexiblere Arbeitszeitmodelle und eine stärkere Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus, aber nicht zu Lasten der Kinder. „Dass Kinder immer nur um die Arbeitswelt herumorganisiert werden, kann doch kein Modell mit Zukunft sein. Damit wird künftig noch weniger Rücksicht auf die Familiensituation genommen. Außerdem wird mit keiner Silbe erwähnt, dass Erzieherinnen und Erzieher ja auch eigene Familien haben, die sie organisieren müssen und mit der Initiative selbst zu Schichtarbeitern werden. Solche Aspekte werden gerne schnell vergessen“, erklärt Baumeister.

Hinzu kommt, dass den Kindertagesstätten durch das Kinderbildungsgesetz ein klarer Bildungsauftrag mit steigendem Anforderungsprofil erteilt wurde. Dabei geht es unter anderem um eine intensivere Sprachbildung. „Bei dem 24-Stunden-Kita-Modell sehen wir die KiTa nicht als Bildungseinrichtung, sondern als Schlafstätte. Wenn das Kind nicht länger, sondern lediglich zu anderen Zeiten die Kita besuchen soll, also beispielsweise dort nur übernachtet, was ist denn dann mit dem Bildungsauftrag? Und die Eltern müssen doch auch Schlaf finden, oder? Das passiert nicht, wenn sie ihr Kind direkt von der Schicht abholen. Das Konzept krankt“, meint die Fachbereichsvorsitzende.

Mit dem Programm sollen rund 300 Kindertagesstätten bundesweit mit bis zu 100 Millionen Euro gefördert werden. Im Zeitraum von 2016 bis 2018 soll – nach den Plänen des Bundesfamilienministeriums – die Zahl der Einrichtungen mit Öffnungszeiten rund um die Uhr steigen.

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